Metaponto oder Die drei Fragezeichen und die Geisterdörfer

Wir hatten einen ziemlich guten Plan, als wir aus Tropea weitergefahren sind, das Wetter war mal wieder schuld. Im Sila-Gebirge war ähnliches Wetter angesagt, wie an den beiden Küsten, also dachten wir Füchse, eine Nacht in Italiens größtem Nationalpark wäre doch auch ganz nett. Dummerweise änderte Google seine Meinung zum Wetter noch und als wir nach einem Zwischenstopp in Tiriolo (von diesem Bergdörfchen kann man das ionische und das tyrennische Meer gleichzeitig sehen – Homer soll auch schon hier gewesen sein) an unserem Ziel Lorica am Lago Arvo ankamen, waren draußen nur noch 11 Grad. Und für nachts 8 Grad und Regen angekündigt. Plötzlich kam uns unser Plan ziemlich fragwürdig vor (an manchen Ecken lag sogar noch Schnee!!) Kein Problem, fahren wir einfach eine Stunde weiter zu unserem nächsten geplanten Stopp. Dachten wir.
 

In den Gassen von Tiriolo
   

Dann hat man mit Ach und Krach und quengelndem Chewie die Extrastunde Fahrt geschafft (Autofahren mit Kind haben wir auch unterschätzt) und findet keinen Campingplatz der geöffnet ist. Wohlgemerkt um 18:30 Uhr. Unser Ziel war die Küste südlich von Crotone, zwischen Copa Colonna und Copa Rizzuto (Ostküste am Ionischen Meer). Unser Fehler: Wir haben vorher nicht genau gecheckt, ob dort ein Platz offen ist. Denn bislang war in jeder Gegend irgendwas geöffnet, hier eben nicht. Wir fuhren mit dem Sonnenuntergang durch Geister-Touristendörfer, trafen keinen Menschen weit und breit und waren froh, dass unser Bus die überdimensionalen Schlaglöcher auf den Straßen überstand. Die Stimmung war eher so auf dem Tiefpunk, denn es gab noch nicht mal irgendwo einen Platz, auf dem man so mit dem Bus ok parken und übernachten konnte. Und ganz ehrlich haben wir es uns auch nicht recht getraut. Es war einfach gespenstisch, so fernab von allem. Half auch nicht unbedingt etwas, dass wir im Reiseführer gelesen hatten, Crotone sei eine kriminelle Hochburg dieser Organisation mit M. 

Eines der wenigen Zivilisationszeichen, an denen wir vorbeigefahren waren, war eine Pizzeria im Olivenfeld mit Parkplatz. Dort sprach zwar jeder nur italienisch und sie wollten uns zunächst eins ihrer Zimmer vermieten – schließlich durften wir für einen Minibetrag und der Verpflichtung, dort Abend zu essen, bei ihnen zum Übernachten parken. Puh. 

War auch nichts los in dem Laden, daher dachten wir, ok, tun wir etwas für ihr Geschäft. Bis dann um Punkt 20 Uhr der Laden aus allen Nähten platzte mit einer Familienfeier und diversen Gästen wohl aus der Gegend. Denn einfach alle kannten sich dort. Wir staunten nicht schlecht, beobachteten das bunte Treiben bei mittelmäßigem Essen und Wein auf den Schreck. Und geeicht durch Serien wie die Sopranos beschlich uns ein komisches Gefühl. Besonders weil der Chef seinen Schreibtisch im Restaurant positioniert hat und einfach ALLE mit Küsschen oder Handschlag begrüßte. Vorurteile Galore. 

Mafia-Parkplatz

Passiert ist uns natürlich nichts. Und morgens war alles wieder menschenleer. Diesmal wieder gut gerüstet mit einem definitiv geöffneten Campingplatz als Ziel ging es – in das nächste Geisterdorf. 

Metaponto (wir befinden uns jetzt in der Provinz Basilika) ist auch nur wegen seiner Ausgrabungen spannend. (Haben wir ausgelassen, wir Kulturbanausen.) Und wegen des Strandes. Aber auch im Lido Metaponte null Komma nix los. Zwei alte Herren brachten den ausgestorbenen und etwas skurrilen Campinplatz auf Vordermann und sonst waren noch zwei weitere Gäste dort. Ich vermute, das wars für den ganzen Ort. Und wenn noch nicht mal eine Eisdiele offen hat und kein direkter Meerblick da ist (unsere Ansprüche sind deutlich gestiegen), ist das alles irgendwie auch trist. Der kleine Tiefpunkt war also noch nicht ganz überwunden. 

Hängematte als neuestes Bus- Zubehör
Nachdem uns, mit der Ausnahme Tropea, Kalabrien und Basilikata bislang nicht wirklich sehr begeisterte, hat uns die Stadt Matera etwas mit der Gegend versöhnt. Die Künstlerstadt ist durch ihre beiden Sassi bekannt – Höhlensiedlungen direkt in der Innenstadt, die lange als Schandfleck betrachtet wurden, in den 80ern aber wieder renoviert und toll hergerichtet wurden. Und heute UNESCO Kulturerbe sind. Total toll (mal wieder) durch die kleine Gässchen zu schlendern und Luft einer nicht reinen Touri-Stadt zu schnuppern. Hundertprozentig entspannt waren wir bei unserer Tour durch Matera allerdings nicht, denn wir hatten ein fieberndes Kind dabei. Wären die fiesen Mückenstiche, die Chewie bislang gesammelt hat, nicht schon genug, hat er sich auch noch eine Erkältung eingefangen. Und die kam mit Fieber richtig schön zu Geltung, als wir in Matera parkten. Und so ganz entspannt sind wir mit einem kranken Baby dann doch noch nicht. Aber alles ist gut und der BABYlonbyBus Bus rollt weiter Richtung Gallipoli (Apulien).
 Zwischenfazit: 5 Liter Wein, 10 Pistazieneis 

Philipps Joggingtouren: 0

Evas Sonnengrüße: 0

Matera

    

    

    

Pistazieneis Nr. 10

    

  

   
 

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