Siracusa, Noto, Avola und der wieder gefundene Frühling

Heute (ähm also Montag – wir sind nicht immer ganz aktuell) verlassen wir den bis jetzt längsten Stopp unserer Reise, während dem wir den Frühling wiedergefunden, noch mehr exzellentes Pistazieneis gegessen und einen Tag einfach nichts gemacht haben – der pure Wahnsinn!

Aber starten wir erst einmal mit der Fahrt von Agrigento nach Avola. Wir kurvten an der Küstenstraße (SS115) entlang, vorbei an netten Küstenörtchen, hügeligen Landschaften und verrosteten Industrieanlagen. Dafür ist dieser Teil der Südküste auch bekannt, deswegen waren wir darauf vorbereitet. Um nicht wieder einen ganzen Tag als Reisetag zu „verlieren“, machten wir einen Mittagsstopp im kleinen Städtchen Modica und futterten uns durch exzellente Primo & Secondi in einer kleinen Osteria. Kurzzeitig fühlten wir uns wie die einzigen nicht italienischen Touristen im Ort – lag aber offenbar nur an der Mittagspause. Als wird danach durch die Stadt schlenderten, waren wieder Reisebusladungen unterwegs und rammelten sich in dem auch in unserem Reiseführer angepriesen Schokoladenshop. Nunja, aber die dunkle Schokolade und die Teigtaschen mit Schokolade, Gewürzen und Hackfleisch waren den Stopp auch Wert.
Modica erscheint wie Agrigento ebenso aus dem Fels herausgehauen zu sein, so gleich sehen die Fassaden aller Häuser aus. Und: Hier entdeckten wir das erste Mal, dass es überall einen Corso Umberto I zu geben scheint.  

       

 

Der Campingplatz in Avola, an der Südostküste Siziliens, war ziemlich fantastisch: Direkter Blick aufs Meer und keine anderen Camper im Blick – denn die unteren Terassenstellplätze werden noch für die Saison fit gemacht. Wieder einschlafen und aufwachen mit Merresrauschen. Chewie hat sich mit seinen seinen Schlafzeiten an die Sonne angepasst. Ein großer Vorteil für mich: Endlich komme ich mal dazu den Sonnenaufgang zu sehen. Und der war in Avola besonders schön – und dann auch noch durch das Fenster unseres Faltdaches. Ein Träumchen.  

   

 

Unsere Frischwasserpumpe funktioniert bislang übrigens noch immer nicht. Da wir wussten, hier bleiben wir etwas länger, versuchten wir am nächsten Morgen gleich die Werkstatt in Siracusa. Haha!!! Noch den VW-Händler aus Luzern im Kopf, dass alle Ersatzteile zu jedem Händler bestellt werden können, schlug sich Philipp mit Google Translate tapfer in der Werkstatt. Zwischenergebnis: Die Pumpe sollte nach Giarre geliefert und eingebaut werden, ca. 1 Woche später. Lag auf unserem Weg. To be continued!

Wir blieben gleich in Siracusa und ließen uns etwas von der wahnsinnigen Geschichte dieser Stadt um die Nase wehen. Bei den Griechen noch Weltmetropole mit ca. 1,5 Mio Einwohnern, findet man davon noch viele Überbleibsel. Besonders auf der Halbinsel Ortigia. Bestes Beispiel ist der Dom, der auf den Mauern des alten Athene Tempels gebaut wurde. Die Säulen sind also heute noch da und perfekt in die Kirche eingebaut. Und verleihen dieser einen ganz besonderen Charme. Auch der Domplatz ist sehr sehr schön, weil groß und hell, weitläufig und von schönen Häusen umrahmt. Und wieder ein Vorteil der Nebensaison: Neben den Touristen sieht man auch noch normale Einwohner in ihrer Stadt unterwegs sein.  

     

 In italienischen Kirchen werden übrigens häufig keine echten Kerzen angezündet, es gibt kleine elektronische Kerzen, deren Schaltknopf man nach dem obligatorischen Kleingeldeinwurf betätigen darf. Kann man sich nicht ausdenken.
Fazit: Siracusa ist eine Reise wert. Ein bisschen schade fanden wir es schon, das Abendleben dort nicht mitzunehmen. Denn in den netten kleinen Gässchen fanden sich viele vielversprechende und gemütliche Cafes, Bars und Restaurants.

Bislang noch nicht vollständig abgeschreckt von den Fahrradmöglichkeiten auf Sizilien, machten wir uns von Avola aus per Fahrrad auf den Weg nach Noto. Nur durch kurze Flucheinlagen meinerseits und einen kurzen Fast-Hundeangriff unterbrochen schlängelten wir uns den idyllischen Weg durch Zitronenfelder und Olivenhaine bergauf in die Barockstadt. Zwischendurch die gewohnten irritierten Blicke der Autofahrer und das freudige Grinsen, wenn Sie Chewies Anhänger entdecken. 

Nichts finden Sizilianer bizarrer, als Espresso ohne Zucker zu trinken. Nagut, wahrscheinlich gelten ein Cappucino nach dem Mittagessen und Fahrradfahren auf der Provinciale als noch bizarrer. [Tante Poldi und die Sizilianischen Löwen – Mario Giordano]

Die komplette Gegend einschließlich Noto wurde bei einem Erdbeben 1693 ziemlich stark verwüstet. Das wurde zum Anlass genommen, einige Städte komplett neu aufzubauen, gerne auch an komplett anderen Orten. Eben so passiert bei Noto: Mit viel Geld wurde hier ein kleines, feines barockes Prachtstädtchen gebaut, das heute dadurch sehr unwirklich anmutet, wie eine Theaterkulisse, die gerade nicht bespielt wird. Aber sehr sehr schön.  

 

Und es gibt in der Tat exzellentes Pistazieneis – und wir ärgern uns pistaziengrün, dass wir von diesem Eis kein Foto gemacht haben, Amelie &Fabi! (Und sonst machen wir doch von jedem Quatsch Fotos…)

Der Campingplatz am Meer hat uns sogar zu einem Tag ohne Unternehmung (außer Wäschewaschen…) hingerissen. Inklusive Chewies erstem Strandausflug mit Sand an den Füßen, Händen und vorallem im Mund. Und Füßen im Meer. Er war ähnlich begeistert wie wir. Also sehr! Und was uns noch abwechselnd Rührungstränen in die Augen treibt und kleinen Panikanfälle ob der Unfallgefahr bringt: Der junge Mann zieht sich an allem was er zu Greifen bekommt erst auf die Knie und dann auf die Füße hoch. Und tippelt mit seinen kleinen Füßen von einem Stuhlbein zum anderen. Und grinst und gluckst dabei vor Vergnügen.

Um in die Schlucht Cava Grande zu gelangen, mussten wir uns, diesmal glücklicherweise mit dem Auto, zuerst wieder einen ordentlichen Berg hochzwirbeln und über den abgesperrten Eingang klettern – wie alle anderen vor Ort. Belohnt wurden wir mit einem phänomenalen Ausblick und Abstieg in die Kalksteinschlucht, mit kleinen Wasserfällen und Seen am Grund. Toller toller Ausflug.  

   

Was wir in den zwei Wochen gemerkt haben: Obwohl nicht zusammen mit Freunden verreist, findet man überall Gleichgesinnte, die man auch häufiger wiederbegegnet und entspannt zusammen rumhängen, frühstücken oder trinken kann. Natürlich Eltern mit Kindern, gern auch in gemeinsamer Elternzeit unterwegs. Das ist sehr schön!
Und bei uns stellt sich nun auch immer mehr Entspannung und Urlaubsgefühl ein, nach dem anfänglichen Austesten, wie wir das alles mit dem Bus und Chewie und uns unter einen Hut kriegen. 

 

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