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Eine Reise geht zu Ende

„Das Ende der Reise fehlt irgendwie“, „und dann habt ihr nichts mehr geschrieben“ „…“.  Ja, wir wurden von vielen aufmerksam gemacht und ihr habt ja Recht. Der Bauernhof in der Toskana hat uns so viel Entspannung gebracht, dass wir die Zeit danach nur noch genossen haben. Hier also der länsgst überfällige letzte Teil der Reise:

Die Abreise vom Bauernhof Nonna Stella fiel uns schwer aber wir wollten ja noch etwas sehen vom Norden des Landes. Also auf nach Florenz und rein in die nächste Großstadt. Eine Stadt, wie ein Museum, wurde uns vorher gesagt und das können wir nur bestätigen. Vom Campingplatz, der hoch über der Stadt liegt kommt man ganz einfach mit dem Bus in die Stadt, läuft eine kleine Gasse, biegt um die Ecke und steht vor dem mächtigen Dom. Aber nicht alleine. Schöne Städte ziehen auch eine Menge Touristen an. Die Selfiestick-Verkäufer und Karikaturisten versuchen ihre Ware zu verkaufen, packen aber alle fünf Minuten ihren Kram zusammen, sobald die Polizei auftaucht. Neben den üblichen Attraktionen folgten wir wieder einmal einer Foursquare-Empfehlung und entdeckten hinter zwei Seitengassen einen schönen Platz mit netten kleinen Restaurants und ausgelassener Stimmung.Nach dem obligatorischen Pistazieneis feierten wir am Abend noch ein wenig Geburtstag bei Aperol Spritz und Sonnenuntergang über den Dächern Florenz.

Nächste Station sollte Cinque Terre sein. Ein Nationalpark mit 5 kleinen Städten in 5 Buchten, die man zu Fuß oder Boot erkunden kann. Leider spielte das Wetter nicht mit und so beließen wir es bei einer Nacht in Deiva Marina, einem netten kleinen Küstenort und einer Runde Schwimmen im Meer (endlich warmes Meerwasser).

Das sich schon in Deiva Marina angekündigte Unwetter fanden wir schließlich am Lago di Magiore vor unserer letzten Station in Italien. Aufgrund des Starkregens gab es statt Pasta mal wieder Pizza (ausgewogene Ernährung) im Campingplatzrestaurant. Leider fiel der geplante Radausflug aufgrund eines Ventilschadens aus. Somit fuhren wir mit dem Auto nach Stresa, einem malerischen Ort am See der von den angrenzenden Bergen eingezingelt liegt. An den Hängen und an der Uferstraße kann man prachtvolle Villen und Grand Hotels aus vergangenen Tagen betrachten. Wenn man sich diese Luxushotels so anschaut kann man nur ahnen wie luxuriös eigentlich der Lago di Coma mit seinen Villen sein muss.

Die letzte Woche der Reise brach nun an. Montag morgen. Dienstag wollten wir nach Stuttgart reisen, da ereilte uns eine Facebooknachricht von unseren schweizer Urlaubsfreunden, die wir auf Sizilien kennengelernt haben. Es stand noch eine lose Einladung im Raum auf dem Rückweg in Bern halt zu machen. Wir überlegten nicht lang, packten alles zusammen und fuhren direkt nach Bern um dort einen wunderschönen Abend mit Picknick im Rosengarten über den Dächern Berns zu haben. Vielen Dank euch Dreien und die Einladung nach Düsseldorf bleibt bestehen!

Über Stuttgart ging es dann weiter Richtung Norden und unserem Abschluss an Pfingsten mit der Unitruppe entgegen. Nach dem Pfingstwochenende im Münsterland und einem Wasserskiabenteuer betraten wir am Pfingstmontag unsere Wohnung. 6520km und acht Wochen später.

 

 

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Toscana und Ferien auf dem Bauernhof

Mit einem nicht erwähnenswerten Zwischenstopp bei Camping Calypso in Pedaso, idyllisch gelegen zwischen Bahnstrecke und Schnellstrasse (!!) gings weiter Richting Toscana.


 Unser erster Stopp Anghiari hat uns sofort begeistert. Zum einen ist die Landschaft einfach sehr schön, sattgrüne Hügel, nette Häuschen und Burgen darauf. Zum anderen sind wir direkt in einen 1.Mai Stadtfest-Handwerksmarkt geraten und hatten dementsprechend viel zu gucken. Historische Fanfaren und Boten inkl.. Wir wissen leider bis heute nicht, was genau dort verkündet wurde. Vermutlich das geschichtliche Ereignis auf das die Anghiriarer laut Reiseführer, diversen Denkmälern und Infotafeln noch heute besonders stolz sind: Den Sieg der Florentiner gegen die Mailänder vor den Toren und mit Hilfe von Anghiari.
Übernachtet haben wir auf einem netten Agritourismo mit Stellplätzen, fussläufig in die Stadt.
Das Wetter ließ auch hier zu wünschen übrig, aber aus irgendeinem Grund störte uns das nicht ganz so sehr, roch es doch nach dem Regen so schön frisch und fast olivig. Zumindest wenn man es sich einbildet.


Ein Tag reicht locker für Anghiari, deswegen fuhren wir am nächsten Tag weiter nach Siena, mit einem sehr feinen Zwischenstopp in Arezzo. Auch hier hatten wir wieder das Glück der Unvorbereiteten, weil an jedem ersten Wochenende im Monat in der mittelalterlichen Altstadt der größte Antiquitätenmarkt der Toscana stattfindet. Tja und es war der erste Samstag im Mai und wir früh genug unterwegs, dass wir auch noch einen Parkplatz fanden.


      In Siena bekamen wir das erst mal einen Eindruck davon, wie sehr es normalerweise von Touristen wimmelt hier in der Toscana. Der Campingplatz war so voll wie kein anderer zuvor und durch die sehr beeindruckende Stadt schlenderten wir gemeinsam mit diversen Reisegruppen, Schulklassen und kulturinteressieren Individualtouristen. Und wir dazwischen hatten das Gefühl, wir schummeln uns mal unter die Kulturtouristen, haben uns stilecht den schwarz-weiß gestreiften Dom angeschaut, uns von der Weite des Palazzo Pubblico(laut Reiseführer: Der schönste Platz Italiens) beeindrucken lassen und die schlechteste und teuerste Pizza unserer Reise gegessen.


    Und jetzt sitzen wir im Sonnenuntergang auf dem wunderschönen Agritourismo Nonna Stella bei Bibona, zwischen Olivenbäumen und Zypressen, nachdem wir vorhin unseren Salat frisch selber geflückt und Würstchen auf Olivenholz gegrillt haben und wir morgen früh beim Hühnerstall wieder frische Eier abholen können, nachdem wir die erste Runde im Pool gedreht haben. Hier bleiben wir noch ein bisschen. 

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Apulien und das Aprilwetter

Diesmal gibt es einen Bericht zu einer ganzen Region. Das hängt zum einen damit zusammen, dass wir Apulien nur punktuell spannend fanden, zum anderen damit, dass wir ein bisschen fauler und gleichzeitig mehr auf der Straße waren. Und dass wir gerade ein bisschen schreibfaul sind.

Pistazieneis Nr.12 (Gallipoli)

In Gallipoli schaut man aufs Meer

 Unseren Start haben wir in Gallipoli gemacht, das kleine Örtchen liegt ganz südlich im Stiefelabsatz. So klein ist es auch gar nicht, aber klein ist das Centro storica, die historische Altstadt, durch die es sich wunderbar spazieren ließ. Und gutes Eis (na klar, Pistazie) gab es hier auch. Der Campinplatz La Massera, etwas außerhalb, am Strand gelegen, wirkte auf den ersten Blick nicht besonders, war aber so nett, dass wir hier wieder viel Zeit mit Rumhängen verbracht haben. Ein bisschen Luxus zwischendurch: In der Nebensaison kriegt man den Schlüssel zum eigenen Bad beim Checkin mit dazu.

endlich Leben in der Stadt (Lecce)

Caponata

 Weiter ging es nach Lecce. Hier hat es uns sehr gut gefallen, nette Atmosphäre, tolle Altstadt (Barock), interessante Menschen unterwegs. Und Foursquare sei mal wieder Dank haben wir ein total tolles kleines (hippes) Restaurant gefunden, mit diversen Craft Beers auf der Karte, Weinen aus der Region und leckerstem Essen. Ein echtes Highlight!

Mit einem Übernachtungsstopp in Monopoli (Nein, nicht im Hotel) ging es weiter nach Bari, bislang die größte Stadt für uns. Nach Neapel die größte Süditaliens. Hier haben wir Philipps Cousine getroffen und sind mit ihr durch die Touri-Altstadt gestreift. Sehr hübsch, mit Meerblick und dem Grab des Heiligen Nikolaus.

peace out San Nicola

Nach einem Wegabstecher in ein weiteres Centro Commerciale, übernachteten wir das erste Mal auf einem Agritourismo (in Bescegli) und einem sehr sehr schönen noch dazu. Zwischen Olivenbäumen, Gemüsebeeten und dem Gänsegehege -alles sehr idyllisch. Olivenöl von dort haben wir natürlich sofort eingepackt.

Agricampeggio unter Olivenbäumen

Castel del Monte

 Von dort aus war es nicht weit zu einem geschichtsträchtigen Tagesziel, dem Castel del Monte, 1240 in Auftrag gegeben von Friedrich II. Er begegnet uns nun schon zum zweiten Mal auf unserer Reise, er war nämlich auch mal König von Sizilien. Um das Castel ranken sich so einige Mythen. Fängt schon damit an, dass man sich nicht hundertprozentig sicher ist, zu welchem Zweck das Schloss gebaut wurde. Und welche Symbolik darin wie verbaut ist. Acht Ecken – acht Türme, die jeweils achteckig sind usw.

Nationalpark Gargano

 Unsere letzte Apulienstation war die Küste der Halbinsel Gargano – der Sporen des Italienstiefels. Komplett ein Nationalpark ist die Landschaft hier wieder atemberaubend, schroffe Felsen, weiße Strände, dichte Pinienwälder – wunderschön und für jeden was dabei. Leider war aber das Wetter nicht so recht auf unserer Seite: Regen, Wind und Sonne, eigentlich war alles dabei. Aber die richtig gemütlichen Frühlingstemperaturen blieben leider aus. Und das fängt irgendwann auch bei Totalentspannung an zu nerven, wenn man fast den kompletten Tag draußen verbringt. Unser Abstecher nach Vieste bescherte uns den ersten Spritz auf unserer Reise (endlich!) und eine Ahnung davon, wie es hier in der Hauptsaison wohl aussieht (brechend voll).  

 

Vieste

Zwischenfazit:
13 Pistazieneis
1xYoga
1xMountainbiken

Metaponto oder Die drei Fragezeichen und die Geisterdörfer

Wir hatten einen ziemlich guten Plan, als wir aus Tropea weitergefahren sind, das Wetter war mal wieder schuld. Im Sila-Gebirge war ähnliches Wetter angesagt, wie an den beiden Küsten, also dachten wir Füchse, eine Nacht in Italiens größtem Nationalpark wäre doch auch ganz nett. Dummerweise änderte Google seine Meinung zum Wetter noch und als wir nach einem Zwischenstopp in Tiriolo (von diesem Bergdörfchen kann man das ionische und das tyrennische Meer gleichzeitig sehen – Homer soll auch schon hier gewesen sein) an unserem Ziel Lorica am Lago Arvo ankamen, waren draußen nur noch 11 Grad. Und für nachts 8 Grad und Regen angekündigt. Plötzlich kam uns unser Plan ziemlich fragwürdig vor (an manchen Ecken lag sogar noch Schnee!!) Kein Problem, fahren wir einfach eine Stunde weiter zu unserem nächsten geplanten Stopp. Dachten wir.
 

In den Gassen von Tiriolo

   

Dann hat man mit Ach und Krach und quengelndem Chewie die Extrastunde Fahrt geschafft (Autofahren mit Kind haben wir auch unterschätzt) und findet keinen Campingplatz der geöffnet ist. Wohlgemerkt um 18:30 Uhr. Unser Ziel war die Küste südlich von Crotone, zwischen Copa Colonna und Copa Rizzuto (Ostküste am Ionischen Meer). Unser Fehler: Wir haben vorher nicht genau gecheckt, ob dort ein Platz offen ist. Denn bislang war in jeder Gegend irgendwas geöffnet, hier eben nicht. Wir fuhren mit dem Sonnenuntergang durch Geister-Touristendörfer, trafen keinen Menschen weit und breit und waren froh, dass unser Bus die überdimensionalen Schlaglöcher auf den Straßen überstand. Die Stimmung war eher so auf dem Tiefpunk, denn es gab noch nicht mal irgendwo einen Platz, auf dem man so mit dem Bus ok parken und übernachten konnte. Und ganz ehrlich haben wir es uns auch nicht recht getraut. Es war einfach gespenstisch, so fernab von allem. Half auch nicht unbedingt etwas, dass wir im Reiseführer gelesen hatten, Crotone sei eine kriminelle Hochburg dieser Organisation mit M. 

Eines der wenigen Zivilisationszeichen, an denen wir vorbeigefahren waren, war eine Pizzeria im Olivenfeld mit Parkplatz. Dort sprach zwar jeder nur italienisch und sie wollten uns zunächst eins ihrer Zimmer vermieten – schließlich durften wir für einen Minibetrag und der Verpflichtung, dort Abend zu essen, bei ihnen zum Übernachten parken. Puh. 

War auch nichts los in dem Laden, daher dachten wir, ok, tun wir etwas für ihr Geschäft. Bis dann um Punkt 20 Uhr der Laden aus allen Nähten platzte mit einer Familienfeier und diversen Gästen wohl aus der Gegend. Denn einfach alle kannten sich dort. Wir staunten nicht schlecht, beobachteten das bunte Treiben bei mittelmäßigem Essen und Wein auf den Schreck. Und geeicht durch Serien wie die Sopranos beschlich uns ein komisches Gefühl. Besonders weil der Chef seinen Schreibtisch im Restaurant positioniert hat und einfach ALLE mit Küsschen oder Handschlag begrüßte. Vorurteile Galore. 

Mafia-Parkplatz

Passiert ist uns natürlich nichts. Und morgens war alles wieder menschenleer. Diesmal wieder gut gerüstet mit einem definitiv geöffneten Campingplatz als Ziel ging es – in das nächste Geisterdorf. 

Metaponto (wir befinden uns jetzt in der Provinz Basilika) ist auch nur wegen seiner Ausgrabungen spannend. (Haben wir ausgelassen, wir Kulturbanausen.) Und wegen des Strandes. Aber auch im Lido Metaponte null Komma nix los. Zwei alte Herren brachten den ausgestorbenen und etwas skurrilen Campinplatz auf Vordermann und sonst waren noch zwei weitere Gäste dort. Ich vermute, das wars für den ganzen Ort. Und wenn noch nicht mal eine Eisdiele offen hat und kein direkter Meerblick da ist (unsere Ansprüche sind deutlich gestiegen), ist das alles irgendwie auch trist. Der kleine Tiefpunkt war also noch nicht ganz überwunden. 

Hängematte als neuestes Bus- Zubehör

Nachdem uns, mit der Ausnahme Tropea, Kalabrien und Basilikata bislang nicht wirklich sehr begeisterte, hat uns die Stadt Matera etwas mit der Gegend versöhnt. Die Künstlerstadt ist durch ihre beiden Sassi bekannt – Höhlensiedlungen direkt in der Innenstadt, die lange als Schandfleck betrachtet wurden, in den 80ern aber wieder renoviert und toll hergerichtet wurden. Und heute UNESCO Kulturerbe sind. Total toll (mal wieder) durch die kleine Gässchen zu schlendern und Luft einer nicht reinen Touri-Stadt zu schnuppern. Hundertprozentig entspannt waren wir bei unserer Tour durch Matera allerdings nicht, denn wir hatten ein fieberndes Kind dabei. Wären die fiesen Mückenstiche, die Chewie bislang gesammelt hat, nicht schon genug, hat er sich auch noch eine Erkältung eingefangen. Und die kam mit Fieber richtig schön zu Geltung, als wir in Matera parkten. Und so ganz entspannt sind wir mit einem kranken Baby dann doch noch nicht. Aber alles ist gut und der BABYlonbyBus Bus rollt weiter Richtung Gallipoli (Apulien).
 Zwischenfazit: 5 Liter Wein, 10 Pistazieneis 

Philipps Joggingtouren: 0

Evas Sonnengrüße: 0

Matera

    

    

    

Pistazieneis Nr. 10

    

  

   
 

Beachlife in Tropea

    

Die Überfahrt aufs italienische Festland (Die Lobby der Fährbetreiber ist seit Jahren wohl größer als die der Brückenbauer) konfrontierte uns ganz direkt mit der Flüchtlingssituation in Süditalien. Wohlgemerkt, wir befinden uns zeitlich vor den aktuellen Hiobsbotschaften aus dem Mittelmeer. Neben uns auf der Fähre parkte ein Bus, der ganz offensichtlich Flüchtlinge transportierte, die es übers Meer geschafft haben. Der Busfahrer trug Mundschutz und Gummihandschuhe, der begleitende Polizist seinen Mundschutz zumindest um den Hals gehängt. Über den Sitzen waren Plastiküberzüge gestülpt. Die jungen Männer gingen unruhig auf der Fähre hin und her und fragten beim Begleiter nach Zigaretten.
Eine Daumen-nach-oben-Geste wurde erwidert und mit einem Grinsen begleitet. Hoffentlich wird es ihnen hier besser gehen.

Die Weiterfahrt auf dem Festland Richtung Tropea führte uns über kurvige Küstenstraßen und nette kleinen Dörfchen, aber auch wieder durch triste, verfallene Gegenden, die mehr als deutlich machen, wie arm die Menschen hier eigentlich sind. Die Mehrheit der Leute lebt in Kalabrien noch von der Landwirtschaft, weil es mehr einfach nicht gibt. Viele Fabriken, die durch Staatsbeihilfe gebaut wurden, standen schnell wieder still und leer. Das alles hinterlässt mehr als einen bitteren Beigeschmack.
Wie ich jetzt eine Überleitung zum weiteren Urlaubsbericht herstellen soll, weiß ich nicht. Das bleibt jetzt einfach so stehen.

Die Küste am Tyrrennischen Meer (Westküste) besteht aus sehr beeindruckenden Steilküsten und idyllischen Badebuchten. Klar, dass wir, um zur selbsternannten Perle des tyrennischen Meeres, Tropea, zu kommen, uns zunächst wieder einige Serpentinenstraßen hoch- und runterschrauben mussten. Das hat sich allerdings gelohnt, denn Tropea ist wirklich ein nettes kleines Örtchen. Kleine Verortung: Wir befinden uns in Kalabrien, der Stiefelspitze.

  
  

Unser Campingplatz war ein wirklicher Premiumplatz: Direkt am Strand, kaum was los, direkt neben dem Wahrzeichen der Stadt, der Kirche Santa Maria dell‘ Isola und eine Treppe quasi direkt vor der Tür, die hoch ins Zentrum von Tropea führt. Zwar ohne möglichen Schnickschnack wie Waschmaschine und WLAN – braucht man ja auch eigentlich gar nicht. Dafür hatten wir Sand zwischen den Zehen und Chewie auch gerne mal im Mund.
   
    
Wieder eine Gegend, die mit Delikatessen auf uns wartete, die wir natürlich nicht verstreichen ließen. Im Nachbarort Pizzo wurde das Tartufo Eis erfunden (check), aus Tropea kommen spezielle rote, süße Gemüsezwiebeln, Cipolla rosso (check). Beides sehr lecker.  
Und dann hatten wir endlich mal frischen Fisch auf unseren Tellern. Darf man ja niemandem erzählen, dass wir nun schon fast drei Wochen am Meer rumlungern und noch keinen Fisch gekauft haben. Also direkt von einem Fischer am Strand Sardinen gekauft und in die Pfanne gehauen. Sehr sehr lecker – wenn auch viele kleine fiese Gräten.

  

Frisch von Fischers Fritze

  
Samstag ist in Tropea Markt. Den mussten wir sehen. Also ab die Steiltreppe hoch in den Ortskern und auf italienisch nach dem Markt gefragt: „dov’è il mercato?“ und als Antwort „die Straße hoch, hinter der Tankstelle“ als Antwort bekommen.
Kaum angekommen, waren wir auch schon mittendrin. Jetzt erstmal einen Cappuccino und sich das Treiben anschauen. Wo kauft wer was und wieviel ein?

    

    

    
Mit zwei gefüllten Einkaufstaschen ging es quer durch die Stadt zum zweiten Markt. Kleidung. Diesen überquerten wir schleunigst, schüttelten nur den Kopf und fragten uns, ob Italien wirklich für schöne Mode steht, bogen um ein, zwei Ecken und standen mitten unter Italienern in feinstem Zwirn. Gäste einer Trauung, die vor der Kirche noch schnell eine rauchten oder die Sonne genossen. Und wieder begegnen uns Gegensätze: Die hässliche gewöhnungsbedürftige Alltagskleidung vs. schicker Festgarderobe (Bei uns ist es eigentlich auch nicht anders).

Zwischenfazit: Wasserpumpe repariert, Entspannung genossen, gute 2000 Fahrkilometer. Anzahl der Pistazieneis: 9 (steigerungswürdig).

  

  Stromboli  

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Waterpumpee

First Things first: Es ist vollbracht und die Wasserpumpe läuft.

Aber nun nochmal von vorne. Vor der Abfahrt haben wir eigentlich alles getestet. Aufstelldach hoch, Aufstelldach runter. Fahrradheckträger, Markise, Stühle und Tisch. Die Küche haben wir habe ich vergessen. Strom und Gas funktionieren einwandfrei. Die Wasserpumpe für das Spülbecken nicht. Dies bemerkten wir in der Schweiz. Ich fuhr zum Luzerner VW-Händler, der mich direkt 20km weiter zum VW-Stützpunkt („Die kennen sich aus mit Campern“) in Chur schickte. Hier wurde alles durgecheckt und meine Hoffnung, es sei nur eine Sicherung zerschlug sich als der äußerst kompetente Mitarbeitermir mitteilte, es sei direkt die Pumpe. Aus Zeitmangel – wir hatten ja für den Abend Fährkarten von Genua nach Palermo – bedankte ich mich und wir fuhren nach Genua. In Italien werden sie die Pumpe ja wohl auch haben und die Odysse der Pumpe begann. Pumpe versucht in Siracusa zu bekommen, ging nicht. Pumpe in Giarre aus Siracusa bestellt. Sollte gehen, ging nicht. Pumpe aus Giarre in Lamezia Terme bestellt. Sollte gehen, ging.

Aber das kennt ihr ja bereits. 

Solltet ihr mal ne Pumpe in Italien (pompa ad immersione) für euren Frischwassertank benötigen, hier ist die Gerätenummer.

    

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Giarre, der Etna und das Rätsel der Wasserpumpe

Unser nächstes Ziel war der Etna – mit dem guten Wissen, dass nach oben eine Straße und noch weiter hoch nach Bedarf eine Seilbahn fährt. Dafür Vulkane so hochzusteigen, sind wir langsam einfach zu alt. 

Zunächst aber der nächste Akt im Frischwasserpumpendrama: Die Pumpe war natürlich nicht nach Giarre bestellt worden, somit kämpfte sich Philipp erneut mit Google Translate mit 5 Servicemitarbeitern dazu durch, die Pumpe in eine nächste Werkstatt auf unserem Weg zu bestellen. Nächste Station: Lamenzia Terme in Kalabrien. (to be continued…) 

Verwöhnt von Campingplätzen mit Meerblick, mussten wir uns erst an den Etna-Ausblick gewöhnen. (Der Lido-Zugang war nur über die Straße zu erreichen.) Luxusprobleme. Ansonsten versprüht der Campingplatz Mokambo eher 70er Jahre Charme. Der Charme der sonstigen Gegend versöhnte uns aber mehr als genug damit. Wir kurvten mehr als sonst mit dem Auto (!!) durch Zitronenfelder und kleine Dörfer am Meer, die dem sonst sehr touristisch geprägtem Umfeld völlig fern schienen. Und durch kleinen Bergdörfer am Etna, wanderten durch die Kleinstadt Acireale, natürlich mit Pistazieneis (4 Kugeln + 2kleine Biskuits zusammen 2€ – Babyrabatt) Wieder eine weitere tolle Gegend auf Sizilien.  

    

Dann ging es auf den Etna. Jede Serpentine höher wurde die Landschaft karger und die Aussicht beeindruckender. Plötzlich tauchten im Schatten die letzten Schneereste auf und Autos und Bussen begegnete man kaum noch. Und dann noch eine Kurve und plötzlich ist da ein Ausflugslokal, ein Hotel und ein großer Parkplatz gefüllt mit Reisebussen. Irgendwie erwartbar bei einer Seilbahnstation, aber dann doch irgendwie überraschend. Wir entschieden uns gegen die Seilbahn und kraxelten die beiden Nebenkrater in Fussweite hoch. Und auch das war es schon wert, den Etna nicht nur von unten zu bestaunen. Völliges Kontrastprogramm zu unserem bisherigen Urlaub. 

   

In der Gegend zwischen Lavaküste und Etna spielt auch der charmante und leichte Roman, den ich natürlich nicht in unserer Zeit auf Sizilien geschafft habe. Dieser sei allen ans Herz gelegt, die eine Reise hierher planen, denn er ist gespickt mit netten Alltagsbeobachtungen: „Tante Poldi und die sizilianischen Löwen“ von Mario Giordano. Und den Haupthandlungsort gibt es dort wirklich: Torre Archirafi. (Update: Es entpuppt sich leider langsam als Miss Marple Verschnitt, von einem Mann geschriebene Erzählung über eine Frau – und wie, das gefällt mir manchmal nicht.)

Als letzte Station auf der Insel nahmen wir noch das italienische Disneyland Taormina mit. Die Lage an der Steilküste und der Ausblick auf die malerische Küste sind wirklich toll. Leider besteht der Ort nur aus Touri-Geschäften und 5-Sterne-Ressorts. Ok, einige nette Restaurants in kleinen Gassen. Aber da durften wir definitiv nettere Ecken Siziliens bestaunen. Ok, die Küste dort ist wirklich toll, wir wollen ja ehrlich sein.

Verrückt, der erste Teil ist schon vorbei.  

       

Weiter geht’s nach Topare in Kalabrien – italienisches Festland. Ciao Sizililia.

Siracusa, Noto, Avola und der wieder gefundene Frühling

Heute (ähm also Montag – wir sind nicht immer ganz aktuell) verlassen wir den bis jetzt längsten Stopp unserer Reise, während dem wir den Frühling wiedergefunden, noch mehr exzellentes Pistazieneis gegessen und einen Tag einfach nichts gemacht haben – der pure Wahnsinn!

Aber starten wir erst einmal mit der Fahrt von Agrigento nach Avola. Wir kurvten an der Küstenstraße (SS115) entlang, vorbei an netten Küstenörtchen, hügeligen Landschaften und verrosteten Industrieanlagen. Dafür ist dieser Teil der Südküste auch bekannt, deswegen waren wir darauf vorbereitet. Um nicht wieder einen ganzen Tag als Reisetag zu „verlieren“, machten wir einen Mittagsstopp im kleinen Städtchen Modica und futterten uns durch exzellente Primo & Secondi in einer kleinen Osteria. Kurzzeitig fühlten wir uns wie die einzigen nicht italienischen Touristen im Ort – lag aber offenbar nur an der Mittagspause. Als wird danach durch die Stadt schlenderten, waren wieder Reisebusladungen unterwegs und rammelten sich in dem auch in unserem Reiseführer angepriesen Schokoladenshop. Nunja, aber die dunkle Schokolade und die Teigtaschen mit Schokolade, Gewürzen und Hackfleisch waren den Stopp auch Wert.
Modica erscheint wie Agrigento ebenso aus dem Fels herausgehauen zu sein, so gleich sehen die Fassaden aller Häuser aus. Und: Hier entdeckten wir das erste Mal, dass es überall einen Corso Umberto I zu geben scheint.  

       

 

Der Campingplatz in Avola, an der Südostküste Siziliens, war ziemlich fantastisch: Direkter Blick aufs Meer und keine anderen Camper im Blick – denn die unteren Terassenstellplätze werden noch für die Saison fit gemacht. Wieder einschlafen und aufwachen mit Merresrauschen. Chewie hat sich mit seinen seinen Schlafzeiten an die Sonne angepasst. Ein großer Vorteil für mich: Endlich komme ich mal dazu den Sonnenaufgang zu sehen. Und der war in Avola besonders schön – und dann auch noch durch das Fenster unseres Faltdaches. Ein Träumchen.  

   

 

Unsere Frischwasserpumpe funktioniert bislang übrigens noch immer nicht. Da wir wussten, hier bleiben wir etwas länger, versuchten wir am nächsten Morgen gleich die Werkstatt in Siracusa. Haha!!! Noch den VW-Händler aus Luzern im Kopf, dass alle Ersatzteile zu jedem Händler bestellt werden können, schlug sich Philipp mit Google Translate tapfer in der Werkstatt. Zwischenergebnis: Die Pumpe sollte nach Giarre geliefert und eingebaut werden, ca. 1 Woche später. Lag auf unserem Weg. To be continued!

Wir blieben gleich in Siracusa und ließen uns etwas von der wahnsinnigen Geschichte dieser Stadt um die Nase wehen. Bei den Griechen noch Weltmetropole mit ca. 1,5 Mio Einwohnern, findet man davon noch viele Überbleibsel. Besonders auf der Halbinsel Ortigia. Bestes Beispiel ist der Dom, der auf den Mauern des alten Athene Tempels gebaut wurde. Die Säulen sind also heute noch da und perfekt in die Kirche eingebaut. Und verleihen dieser einen ganz besonderen Charme. Auch der Domplatz ist sehr sehr schön, weil groß und hell, weitläufig und von schönen Häusen umrahmt. Und wieder ein Vorteil der Nebensaison: Neben den Touristen sieht man auch noch normale Einwohner in ihrer Stadt unterwegs sein.  

     

 In italienischen Kirchen werden übrigens häufig keine echten Kerzen angezündet, es gibt kleine elektronische Kerzen, deren Schaltknopf man nach dem obligatorischen Kleingeldeinwurf betätigen darf. Kann man sich nicht ausdenken.
Fazit: Siracusa ist eine Reise wert. Ein bisschen schade fanden wir es schon, das Abendleben dort nicht mitzunehmen. Denn in den netten kleinen Gässchen fanden sich viele vielversprechende und gemütliche Cafes, Bars und Restaurants.

Bislang noch nicht vollständig abgeschreckt von den Fahrradmöglichkeiten auf Sizilien, machten wir uns von Avola aus per Fahrrad auf den Weg nach Noto. Nur durch kurze Flucheinlagen meinerseits und einen kurzen Fast-Hundeangriff unterbrochen schlängelten wir uns den idyllischen Weg durch Zitronenfelder und Olivenhaine bergauf in die Barockstadt. Zwischendurch die gewohnten irritierten Blicke der Autofahrer und das freudige Grinsen, wenn Sie Chewies Anhänger entdecken. 

Nichts finden Sizilianer bizarrer, als Espresso ohne Zucker zu trinken. Nagut, wahrscheinlich gelten ein Cappucino nach dem Mittagessen und Fahrradfahren auf der Provinciale als noch bizarrer. [Tante Poldi und die Sizilianischen Löwen – Mario Giordano]

Die komplette Gegend einschließlich Noto wurde bei einem Erdbeben 1693 ziemlich stark verwüstet. Das wurde zum Anlass genommen, einige Städte komplett neu aufzubauen, gerne auch an komplett anderen Orten. Eben so passiert bei Noto: Mit viel Geld wurde hier ein kleines, feines barockes Prachtstädtchen gebaut, das heute dadurch sehr unwirklich anmutet, wie eine Theaterkulisse, die gerade nicht bespielt wird. Aber sehr sehr schön.  

 

Und es gibt in der Tat exzellentes Pistazieneis – und wir ärgern uns pistaziengrün, dass wir von diesem Eis kein Foto gemacht haben, Amelie &Fabi! (Und sonst machen wir doch von jedem Quatsch Fotos…)

Der Campingplatz am Meer hat uns sogar zu einem Tag ohne Unternehmung (außer Wäschewaschen…) hingerissen. Inklusive Chewies erstem Strandausflug mit Sand an den Füßen, Händen und vorallem im Mund. Und Füßen im Meer. Er war ähnlich begeistert wie wir. Also sehr! Und was uns noch abwechselnd Rührungstränen in die Augen treibt und kleinen Panikanfälle ob der Unfallgefahr bringt: Der junge Mann zieht sich an allem was er zu Greifen bekommt erst auf die Knie und dann auf die Füße hoch. Und tippelt mit seinen kleinen Füßen von einem Stuhlbein zum anderen. Und grinst und gluckst dabei vor Vergnügen.

Um in die Schlucht Cava Grande zu gelangen, mussten wir uns, diesmal glücklicherweise mit dem Auto, zuerst wieder einen ordentlichen Berg hochzwirbeln und über den abgesperrten Eingang klettern – wie alle anderen vor Ort. Belohnt wurden wir mit einem phänomenalen Ausblick und Abstieg in die Kalksteinschlucht, mit kleinen Wasserfällen und Seen am Grund. Toller toller Ausflug.  

   

Was wir in den zwei Wochen gemerkt haben: Obwohl nicht zusammen mit Freunden verreist, findet man überall Gleichgesinnte, die man auch häufiger wiederbegegnet und entspannt zusammen rumhängen, frühstücken oder trinken kann. Natürlich Eltern mit Kindern, gern auch in gemeinsamer Elternzeit unterwegs. Das ist sehr schön!
Und bei uns stellt sich nun auch immer mehr Entspannung und Urlaubsgefühl ein, nach dem anfänglichen Austesten, wie wir das alles mit dem Bus und Chewie und uns unter einen Hut kriegen. 

 

Zitronennudeln Siciliana 

  • Zwei Zitronen (wenn möglich frisch gepflückt)
  • 5EL Olivenöl
  • Pasta
  • Thymian
  • Salz, Pfeffer
  • Parmesan

Die Pasta kochen. In einer Pfanne das Olivenöl erhitzen. Zitronenschale reiben und zusammen mit dem Zitronensaft dazugeben. Thymian klein hacken und ebenfalls dazugeben. Die Pasta abgießen, durch die Pfanne ziehen und mit Parmesan servieren. Zubereitungszeit ca. 20min.

Agrigento und das Tal der Tempel

Tal der Tempel

Leider haben wir zwar den Regen, aber nicht den kalten Wind hinter uns gelassen. Der und die nicht immer ganz frühlingshaften Temperaturen machen es, besonders abends, etwas ungemütlich. Aber Standheizung sei Dank, kriegen wir auch das hin. :) Aber so werden die Tage kurz, wenn wir kurz nach Chewie selber ins Faltdach steigen. Denn das Abends vor dem Bus sitzen klappt bei kaltem Wind nicht so gut.

Die Fahrt nach Agrigento [sprich: Agridschento] führt uns durch das beeindruckende Inselinnere: sehr viele Berge, karge Felsen, sattgrüne Wiesen, bunte Blütenmeere, sprudelnde Bäche, sehr idyllisch und dabei fast unangetastet wirkend. Zwischendurch einige Städte, in die Berge gebaut und verlassene Bausünden- aber sehr viel weniger, als noch an der Küste.

Agrigento vereint krasse Gegensätze: hoch im Berg die moderne und die Altstadt, alle Häuser Ton in Ton wie der Kalkstein des Berges, unten das Tal der Tempel (Valle dei Templi), die noch ältere Altstadt quasi.  

vorne alt, hinten neu  

 

Obwohl die Bezeichnung Tal der Tempel ein bisschen irreführend ist: Wirklich erkennbare Ruinen stehen nur noch von zwei Tempeln, sonst liegen viele alte Steine und stehen Säulen rum. Aber das ist trotz allem sehr beeindruckend. Und der Grund warum Agrigento auf jedem Urlauberprogramm hier steht. Wir wollten dazu auch der lebendigen Stadt eine Chance geben. Für einen kurzen Spaziergang gibt sie etwas her, aber tagsüber war sie so verlassen, dass die kleinen verwinkelten Gassen außer uns menschenleer waren – ein bisschen gespenstisch war das schon. Und leider auch wieder ein bisschen vernachlässigt. Aber wenn mehr Leben unterwegs ist, sieht das vielleicht schon wieder anders aus.  

in den Gassen von Agrigento 

Neue Erkenntnis: Busfahren ist auf Sizilien ein Glücksspiel, bei dem man mit Pech auch mal als Spaziergänger auf der Schnellstraße enden kann.
Und: Wir haben den ersten Fahrradweg entdeckt: an der Strandpromenade von San Leone, dem Lido von Agrigento. Dummerweise fahren hier offenbar sonst keine Fahrräder – weder unser Klingeln irritierte die Spaziergänger auf dem Weg, noch bewegte es sie zur Seite zu treten. Entdeckung des Tages: mit Pistaziencreme gefüllte Croissants.  

 

Der Wind und die Kälte ließen uns schnell wieder auf den Weg machen – an der südlichen Ostküste sollte das Wetter wieder wärmer sein. Avola wir kommen.

   

        Outdoor-Küche 

Cefalù und sizilianische Osterfeiern

Orte des Massentourismus sind normalerweise nicht die Plätze unserer Wahl, aber in der Nebensaison ist alles ein bisschen anders und in Cefalù soll es in eben dieser besonders schön sein. Außerdem standen die Wettervorhersagen günstig. Und es hat sich sehr gelohnt!  

Campingplatz Costa Ponente

   

Unser Reiseführer (übrigens sehr empfehlenswert vom Michael Müller Verlag, danke A&F) schreibt, Cefalù sei, weil Touri-Ort, sehr aufgebrezelt, die Häuser der Altstadt besonders schön herausgeputzt. Das stimmt auch, empfanden wir allerdings nicht als negativ. Weil die Stadt einfach schön aussieht. Und dabei nicht künstlich fein gemacht, nicht jedes zweite Haus heruntergekommen, durch die Witterung, den Wind, die Hitze, das fehlende Renovierungsgeld oder Ähnliches. 

Fahrradfahren ist eine Fortbewegungsmöglichkeit, die die meisten Sizilianer mit dem Erwerb eines eigenen Mopeds ablegen. Daran angepasst gibt es hier so gut wie keine Fahrradwege. Was uns nicht davon abhält, trotzdem zu fahren. Denn abgelegenen Seitenstraße gibt es schon, auch wenn zwischendurch meist ein Stück Schnellstraße auf unserem Weg liegt. Eben auf einer solchen Strecke sind wir von unserem Campingplatz Costa Ponente nach Cefalù geradelt – über matschige Feldwege, Bahnschienen, steile Steintreppen (ok, da haben wir geschoben und gehoben).   

Mit dem Rad nach Cefalú

Angekommen, nachdem die Mehrzahl der Italiener freudig auf unseren Fahrradanhänger mit Chewie schauten, grinsten und winkten, stiefelten wir durch die hübschen kleinen Gässchen und statteten dem weiteren Normannendom auf unserem Weg einen Besuch ab. Dieser landete laut Legende übrigens zufällig im Küstenörtchen: Ein Normannenkönig namens Roger kam auf See in ein böses Unwetter und schwor, dort wo er wieder festes Land unter seinen Füßen haben sollte, eine Dom zu bauen.
Das wichtigste unseres Ausflugs: weiteres exzellentes Pistazieneis, Cannolo (süße Teigröllchen) und danach (!) ein leckeres Mittagessen im Chat Noir – Düsseldorf lässt grüßen :) – einer netten kleine Trattoria.   

Typisch Sizilien: Pasta mit Sardellen und wildem Fenchel

 

Und dann war ja auch noch Ostern: Am Samstagabend rollten die italienischen Familien mit ihren Wohnmobilen auf dem Campingplatz an. Wir hatten schon gehört, dass das Osterfest groß mit der ganzen Familie zelebriert wird – auf das Ausmaß waren wir allerdings nicht recht vorbereitet. Eine Wagenburg nach der anderen baute sich um uns herum auf, Grills wurden ausgepackt, Markisen gespannt, Essenstafeln aufgebaut, Kinderfahrräder ausgepackt. So in etwa Stelle ich mir unser Paderborner Pfingstreffen in 5 Jahren vor (…hätten wir alle Wohnmobile). 

Statt den ganzen Tag dem bunten Familientreiben zu lauschen, bestiegen wir gemütlich den Kalkfelsen, der Cefalù seinen Namen gab. Ein tolle kleine Wanderung mit grandiosem Ausblick, einer Schlossruine und ehemaliger Stadtmauer – hier hat einfach jedes Örtchen eine unglaubliche lange Geschichte. 

Wandergruppe auf dem Rocca

 

Wir genossen noch ein letztes Mal den Ausblick auf den Pool und vorallem die Bucht dahinter, packten im Nieselregen unseren Bus und weiter gehts nach Agrigento.   

Der Gondoliere von Cefalù

  

Ausblick auf Cefalù vom Rocca

   

Palermo und die Entdeckung des Pistazieneis

Ja! Wir haben es doch noch nach Palermo geschafft! Danach zu urteilen, wie lange wir immer brauchen um komplett abfahrbereit zu sein, ist das keineswegs selbstverständlich.
Umbauen, umräumen, einräumen, Chewies Essen mitdenken, vorbereiten und mitnehmen, evtl noch unser Essen und Trinken mitnehmen und noch mal aufs Klo, Windeln von Chewie wechseln. Und dann haben wir beide natürlich noch irgendwas vergessen. Beim Campen dauert ja sowieso alles länger, jetzt mit dem Kleenen eben nochmal länger. Wir optimieren, aber im Urlaub beeilen ist irgendwie zu ungemütlich. Wir grooven uns weiter ein. Aber das ist ein anderes Thema. 

 Es sollte ja eigentlich um Palermo gehen. Nach dem Eindruck einiger Campingplatz-Nachbarn und unserem Abendstau-Eindruck bei unserer Ankunft erwarteten wir eine sehr wilde, laute, auch etwas anstrengende Stadt. Die wir dann allerdings gar nicht fanden. 

 

  

Zwar ist die Touri-Strasse vom Normannenpalast vorbei am Dom bis zur Kreuzung Quadro Canti eben wie eine Touri-Strasse inklusive TukTuk-Fahrern und Pferdekutschen, die Stadtrundfahrten anpreisen. Aber wirklich gestresst hat uns das nicht. Viel anstrengender fand ich die diversen Strassenmärkte, auf denen auch die Palermitaner Dinge des täglichen Bedarfs kaufen. Hier ist es laut, dreckig und eng. Aber das war auch zu erwarten. Dafür haben wir dort sehr leckere Erdbeeren und Artischocken gekauft (Die werden auf Sizilien angebaut, deswegen besonders frisch und lecker). Unsere gewohnte Taktik, einfach in Seitenstraßen abzubiegen, hat sich auch in Palermo gelohnt: Kleine, verwinkelte Gassen mit schiefen Häusern, Minibalkonen und überall gespannte Wäsche zum Trocknen. Dazu hupende Mopeds und schwatzende Menschen aus der Hood. Gemütlich. 

 Dazu haben wir, nachdem wir alle Hauptsehenswürdigkeiten von Außen betrachtet haben und eine italienische Sim Karte erstanden haben, um nicht immer auf Campingplatz-WLAN angewiesen zu sein, endlich Panini und Eis gegessen. Vom sizilianischen Pistazieneis wurde uns schon viel vorgeschwärmt. Zu Recht können wir jetzt sagen, Amelie! :)  Ist ab jetzt fester Bestandteil unseres Urlaubseisbechers! 

   

Quadro Canti Panorama

  Die verschieden Eroberer, die sich Sizilien im Laufe der Jahrhunderte unter den Nagel gerissen haben, sehen wir auch in der Stadt und den Bauwerken. Ich verliere schon den Überblick, wer hier alles eine Kolonie errichtet hatte. Die Griechen waren zumindest unter den ersten, häufig ist auch die Rede vom Orient und Byzanz, und einen Normannenpalast, -dom oder Ähnliches gibt es häufiger auf der Insel. Ich muss gestehen, so bewusst war mir vorher gar nicht, wie bedeutend Sizilien in der Geschichte war. Idealer Kolonie-Ausgangspunkt in jegliche Richtungen. Und schon sehr sehr lange besiedelt. Allerdings nie unter der Herrschaft der Sizilianer selber.   

 Kurz vor Ende unseres Palermo-Ausflugs machte sich die Stadt bereit für die Karfreitags-Prozession. Viele Kirchen, in die wir auf unserem Weg blickten, waren bereits mit Blumen und einem Kerzenmeer geschmückt, die Polizei rückte langsam an, um die Straßen zu sperren. Die italienischen Familien, deren Söhne ihre Kommunion oder Firmung feiern sollten, so unsere Vermutung, luden sich in Festtagskleidung aus ihren Autos aus. Leider blieb es bei diesem kurzen Einblick in das kirchliche sizilianische Osterfest, denn uns trieb es weiter an der Nordküste nach Cefalù.

Isola delle Femmine oder die Entdeckung der Langsamkeit

Das erste Mal im Bus übernachten und dabei das Meeresrauschen hören, ein kleines bisschen frösteln und die Decke ein bisschen weiter unter die Nase ziehen – und dabei das Gefühl, alles richtig gemacht zu haben. 

 

  Die Fakten: Wir sind in dem kleinen Örtchen Isola delle Feminine, einige Kilometer westlich von Palermo und dort auf dem Platz Camping al Playa. Wie erwartet: Direkt am Meer.
Leider merkt man hier im Ort die Nebensaison und den Verfall. Was überwiegt, wissen wir nicht. Aber trist und dabei irgendwie stillsicher und rau ist es an der Strandpromenade: verrostet, verlassen und ziemlich leer. Auf dem Weg durch den Ort zwischendurch Müllberge, die eher an andere Kontinente erinnern. Besonders schlimm fand ich die überfahrene Katze, an der wir vorbeigeradelt sind: Der süßliche Geruch war selbst im Vorbeifahren sehr deutlich. Sonst aber ein nettes, kleines verschlafendes sizilianisches Dörfchen, wie man es sich so vorstellt. Und der Campingplatz mit Olivenbäumen, auf einer Seite das Meer, auf der anderen die Berge ist wirklich toll. 

 

  Nach den anfänglichen Plänen, schnell weiterzuziehen, sind wir nun doch etwas länger hier. Zum einen, weil wir einen Tag dazu nutzten den Bus und seinen Inhalt zu sortieren, einzukaufen, einfach ankommen und durchatmen. Soll man ja im Urlaub auch mal tun. Zum anderen, weil wir heute den Zug nach Palermo verpasst haben. Und wir sowieso schon so spät dran waren, dass es sich nicht mehr gelohnt hätte. Also morgen Palermo. Und dann wohl weiter nach Cefalu. Dort soll das Wetter besser sein. Heute sind nämlich Wolken aufgezogen und plötzlich waren Wollsocken und dicke Pullis wieder hoch im Kurs. Deswegen müssen wir weiter! 

 

BABYlon By Boot

Wir sind auf Sizilien – naja zumindest fast. Wir warten gerade darauf, dass wir nach unserer fast 20stündigen Fährfahrt an Land gehen können. Ja, die Fahrt von Genua nach Palermo dauert wirklich so lange, auch wenn ein Freund zurecht darauf hinwies, dass man in dieser Zeit auch nach Neuseeland fliegen könnte… 

Die Wifi-Angebote an Bord (30 min für 5 Euro) sind deutlich verbesserungswürdig, deswegen hoffen wir auf die Fortschrittlichkeit unseres ersten Campingplatzes. Um diesen Artikel hochzuladen natürlich. 

Update: Auf eben diesen kriegt man für nen Fünfer immerhin 24 Stunden. Leider nur für ein Gerät. 

Hinter uns liegt ein gemütlicher Zwischenstopp in Luzern, inklusive Tourispotting am Löwendenkmal.
Da werden Busse rangekarrt, unglaublich! Nach dem Denkmal noch schnell an den Vierwaldstätter See, eine Uhr kaufen und weiter gehts. Und Philipp mit Chewie in der Trage war fast eine ebenso beeindruckende Sensation für die Gruppenreisenden aus Fernost.  

 

Dann noch die Fährfahrt, die es rumzukriegen galt, denn auf eben diesen passiert ja nicht allzu viel. Glücklicherweise begann der Alleinunterhalter erst gerade zu spielen. 

Wir haben übrigens etwas gefunden, das wir vergessen haben: den Check unserer Wasserpumpe. Die läuft aktuell nämlich nicht. Und deswegen werden wir auf Sizilien gleich mal eine Werkstatt unter die Lupe nehmen. 

Die besten Abenteuer kommen eben ungeplant.
Seit unserer Ankunft in Italien haben wir auch den Frühling gefunden! Es gibt ihn! Endlich wieder Sonne und fast TShirt-Wetter. Heute an Deck holten wir uns daher erwartet die ersten roten Sonnenbrandnasen. Urlaub ahoi! 

 

Das Packen vor der Ruhe

„Wir müssen noch das Sicherungsnetz bestellen!“ „Hast Du eigentlich schon xy eingepackt?“ „Wir dürfen nicht vergessen, den Nachbarn unseren Briefkastenschlüssel zu geben!“ „Und denkst Du bitte noch an xyz?““

Denken wir an die Reiseführer, die Wanderschuhe, Chewies Trage, die Deluxe Käsereibe, das Bettlaken? Haben wir noch die letzten Formalitäten geklärt, Phil die letzten Übergaben gemacht? Diese Liste lässt sich beliebig erweitern. 

Und so werden wir sicherlich an alle wichtigen Kleinigkeiten denken, dabei aber bestimmt einige große Wichtigkeiten (zum Beispiel den Milchaufschäumer) vergessen. Aber Perfektionismus wird wohl beim Packen überbewertet. Und wir üben uns ja auf der Reise auch darin, mit weniger als sonst auszukommen. Eben mit Dingen, die wir gar nicht so wirklich brauchen. Böse Zungen behaupten, der Milchaufschäumer gehöre dazu.

Tauschen Rucksack gegen VW-Bus

Von Eva & Phil

 

In einer Woche geht es los. Nur wir drei, unser neuer alter VW Bus und 50 Tage gemeinsame Elternzeit. In den Tag hineinleben ohne Termine, ohne Dinge, die erledigt werden müssen.
Gar nichts müssen, alles nur dürfen.

Dachzelt

Dachzelt

Jetzt steht allerdings noch die Vorbereitung im Vordergrund: Es stehen unzählige Dinge auf unserer Packliste. Auf unseren Rucksackreisen durch Indonesien oder Sri Lanka haben wir uns auf das Nötigste beschränkt. Mit so einem Bus ist natürlich mehr möglich, aber auch nicht alles.

Da bei uns das Essen schon immer im Vordergrund stand, muss die Küchenausrüstung wohl überlegt sein. Der Bus verfügt über zwei Gasplatten. Da wir aber nicht immer im Bus kochen wollen, sondern auch mal davor, haben wir uns eine Induktionskochplatte gekauft. Die passende Töpfe sind vorhanden und so sind wir zwar auf Strom auf dem Campingplatz angewiesen, sparen durch die Platte aber Kochzeit und Platz gegenüber einem Grill. Kaffee wird ebenfalls auf der Induktionsplatte mit der Bialetti gekocht und für Milchschaum, bzw. heiße Milch für Chewie haben wir unseren Milchschäumer (Krups XL2000) im Schrank.

Und das Essen für Chewie sollte natürlich mitbedacht werden. Auch wenn er vieles von unserem Essen schon mitessen kann, nehmen wir eine Grundausstattung Getreideflöckchen, Cracker und Kringel (ihr kennt das) in allen Variationen mit.

BABYlonByBus

Zwei Räder & Fahrradanhänger

Ein sehr großer Vorteil zum Rucksack: Wir nehmen richtige, gemütliche, flauschige Bettwäsche mit. Zusätzlich zum dünnen Baumwollschlafsack, der auch Grundausstattung im Rucksack war. 😉

Und ansonsten stapeln sich in unserer Wohnung bereits in allen Ecken Tüten mit Dingen, die mit müssen. Wir schauen mal was passt.